Fünfundzwanzig Jahrhunderte auf zweihundert Metern
Die Altstadthalbinsel ragt wie eine geballte Faust in die Adria. Griechen siedelten hier um 500 v. Chr., und jedes Jahrhundert seither hat seinen Fingerabdruck im Stein hinterlassen. Man kann sie nachverfolgen, wenn man weiss, wo man schauen muss: ein Stück kyklopische Mauer nahe dem Osttor, ein römischer Boden versteckt unter einem Juweliergeschäft, venezianische Löwen über Türrahmen geschnitzt und Fassaden aus der österreichischen Ära in Terrakotta und Ocker. Das Erdbeben von 1979 hat vieles dem Erdboden gleichgemacht, aber der Wiederaufbau verwendete Originalstein und blieb dem mittelalterlichen Strassenplan treu.
Für einen richtigen Rundgang durch die Altstadt braucht man etwa neunzig Minuten, inklusive Zitadelle und Kirchen. Starten Sie früh — gegen zehn Uhr im Sommer treffen die Kreuzfahrtgruppen ein und die engen Gassen werden voll. Frühes Morgenlicht trifft auch perfekt auf die Ostmauern, was zählt, wenn Sie eine Kamera dabei haben.
Durch das Haupttor eintreten
Das Haupttor zeigt zur modernen Stadt über eine kleine Steinbrücke. Über dem Torbogen begrüsst Sie ein geschnitztes Relief des Budva-Wappens — ein stilisierter Fisch über Wellen mit einer Krone. Gehen Sie hindurch und Sie treten auf polierten Kalksteinboden, den Generationen von Füssen glattgeschliffen haben. Sofort zu Ihrer Linken führt eine schmale Treppe hinauf zum Mauergang. Nehmen Sie sie. Der erhöhte Pfad verläuft entlang der Nordmauer und gibt Ihnen eine Vogelperspektive der Altstadt, bevor Sie in ihre Gassen hinabsteigen. Von hier oben können Sie alle vier Kirchen, den Zitadellenturm und den Hafen sehen, wo morgens noch Fischerboote anlegen.

Drei Kirchen, drei Geschichten
Dreifaltigkeitskirche
Diese kompakte orthodoxe Kirche steht auf dem Platz direkt hinter dem Haupttor, überragt von ihren Nachbarn, aber dank des markanten gestreiften Mauerwerks — abwechselnde Bänder aus Grau und Rosa — nicht zu übersehen. 1804 während einer kurzen Phase russischen Schutzes erbaut, beherbergt ihr Inneres vergoldete Ikonen und eine bemalte Decke, die nachmittags das Licht durch ein einzelnes hohes Fenster einfängt. Achten Sie auf das Grab von Stjepan Mitrov Ljubisa, einem Schriftsteller und Staatsmann des 19. Jahrhunderts, das in die Aussenmauer eingelassen ist.
Johanneskirche
Der höchste Glockenturm der Halbinsel gehört zu dieser katholischen Kirche, die nach dem Erdbeben von 1667 und erneut nach 1979 wieder aufgebaut wurde. Im Inneren zieht eine Madonna-mit-Kind-Ikone stetig Pilger an. Die Kirchenbibliothek beherbergte einst eine der feinsten Handschriftensammlungen an der Adriaküste, obwohl die meisten Stücke vor Jahrhunderten zur Aufbewahrung nach Cetinje verlegt wurden. Der Glockenturm ist nicht für Kletterer geöffnet, aber er rahmt die besten Fotos der Altstadt von der Hafenseite ein.
Santa Maria in Punta
An die Zitadellenmauern an der Südspitze der Halbinsel geschmiegt, ist diese Kirche aus dem neunten Jahrhundert das älteste erhaltene Bauwerk in Budva. Sie ist klein — eher Kapelle als Kirche — und Gottesdienste wurden längst eingestellt, aber die Steinhülle überdauert. Die örtliche Legende besagt, dass das Gebäude aus Teilen einer noch älteren Kirche am selben Standort zusammengesetzt wurde. Die Akustik im Inneren ist bemerkenswert, und gelegentlich finden hier im Sommer kleine Konzerte während des Theaterfestivals statt.
Die Zitadellenterrasse
Die Zitadelle verankert das südliche Ende der Halbinsel. Der Eintritt kostet einige Euro und gewährt Zugang zu den Festungsmauern, einer kleinen Bibliothek und der Freiluft-Restaurantterrasse oben. Die Terrassenaussicht ist der Grund zu kommen: die Adria erstreckt sich westwärts Richtung Italien, die Insel Sveti Nikola liegt direkt vor der Küste, und an klaren Tagen zeigen sich die albanischen Berge als blasse graue Linie im Süden. Der Sonnenuntergang von hier oben, mit einem Glas Vranac-Wein, ist der schönste Moment, den Budva zu bieten hat. Die Zitadelle beherbergt auch ein bescheidenes Museum mit römischen und mittelalterlichen Funden — Tonscherben, Münzen und ein Reliefmodell der Stadt vor dem Erdbeben.
Wohin der Spaziergang als Nächstes führt
Verlassen Sie die Zitadelle und gehen Sie entlang der südlichen Seemauer zurück. Ein Holzsteg schmiegt sich an die Klippenkante und führt zur Ricardova Glava, dem winzigen Altstadtstrand zwischen den Festungsmauern und den Felsen. Er füllt sich schnell, aber ein Spätnachmittagsschwimmen hier — mit Blick hinauf auf die Steinmauern — ist schwer zu überbieten. Vom Steg führen Stufen zurück in die Gassen nahe dem Hafen. Wenn Ihre Beine und Ihr Appetit noch mitmachen, gehen Sie weiter zu den Uferrestaurants direkt ausserhalb der Mauern für das Beste der Gastro-Szene.
Praktische Tipps
- Beste Zeit: Vor 9 Uhr morgens im Sommer, oder nach 18 Uhr, wenn die Reisegruppen abziehen und das Licht golden wird.
- Schuhwerk: Der polierte Kalksteinboden ist bei Nässe rutschig. Flache Schuhe mit Profil sind nach Regen unverzichtbar.
- Fotografie: Morgenlicht trifft auf die Ostmauern und den Hafen. Der Sonnenuntergang belohnt von der westwärts gerichteten Zitadellenterrasse.
- Nebensaison: Oktober bis April ist die Altstadt fast leer. Cafes bleiben geöffnet, die Zitadelle ist ruhiger, und Sie können die Gassen fotografieren, ohne eine einzige Person im Bild.